Mythos Menschenfresser

Menschen haben eine unnatürliche Angst vor dem Hai. Er gehört zu den gefürchtesten Tieren dieser Erde, obwohl weltweit jährlich lediglich zwischen 10 bis 15 Menschen bei rund 70 Haiunfällen getötet werden. Woher kommt diese Angst?

Als Kind hat fast jeder von uns einmal den Film „Der weisse Hai” und ähnliche Hollywoodstreifen gesehen, welche den Hai als Monster darstellen. Diese Filme suggerieren uns folgendes Bild:

  • Ein Hai lauert in der Tiefe des Ozeanes und ist nur auf dieser Welt, um in feines und saftiges Menschenfleisch zu beissen.
  • Ein Hai fällt beim Anblick eines Menschens sofort in einen Fressrausch.
  • Um an unser Menschenfleisch zu gelangen, frisst ein Hai sogar Boote.

Mit diesem Denken kann sehr viel Geld verdient werden. Kein Wunder handelt es sich bei jedem Hai-Unfall sofort um eine Hai-Attacke mit einer extra grossen Aufnahme eines zubeissenden weissen Hais auf dem Titelblatt. Das erhöht die Auflage und gibt Umsatz!

Lesen wir doch einmal das Beispiel des Hai-Unfalls im Jahr 2011 in Südafrika, wie er von den Medien dargestellt wird und was die Fakten sind:

Nächster Hai-Horror in Südafrika: Ein weißer Hai hat einem Badegast ein Bein abgerissen. Obwohl der Strand in Kapstadt wegen Hai-Alarms gesperrt war, ist der britische Geschäftsmann Michael Cohen ins Wasser gegangen. Fatal, wie sich herausstellen sollte. Der Killer-Hai machte kurzen Prozess und biss dem Opfer das rechte Bein am Unterschenkel ab. Das linke Bein wurde schwer verletzt. Nach der Attacke solle eine Robbe um den 42-Jährigen geschwommen sein, möglicherweise hat sie ihm das Leben gerettet, da der Hai durch sie abgelenkt wurde.
Quelle: http://www.oe24.at/welt/Hai-Attacke-in-Suedafrika-Mann-verliert-Bein/41848853

Beim Lesen des Artikels nehmen wir „Hai-Horror” und „Killer-Hai” auf. Unser eingebranntes Bild der Bestie aus unseren Kindertagen wird damit bestätigt. Aber ist das tatsächlich so, stimmen diese Aussagen und auch diejenige der Robbe im Wasser, die ihm das Leben gerettet haben soll? 

Fakt zu “Hai-Horror” und “Killer-Hai”
Obwohl der Hai zu den Top-Raubtieren der Ozeane gehört, passieren sehr selten Hai-Unfälle. Jährlich besuchen Milliarden von Menschen die Meere, durch Hai-Unfälle getötet werden weltweit aber lediglich zwischen 10 bis 15 Menschen (Tendenz leicht steigend, infolge erschwinglicher Ferien am Meer steigt aber auch die Zahl der Touristen). Im Vergleich dazu sterben durch herabfallende Kokosnüsse 150 Menschen jedes Jahr.

Fakt zu lebensrettender Robbe im Wasser
Robben sind die Hauptnahrung des weissen Hais in Südafrika. Sofern tatsächlich eine Robbe im Wasser war, hat diese Michael Cohen nicht das Leben gerettet, sondern er wurde mit der Hauptnahrung verwechselt.

Hai-Unfälle mit Menschen sind meist eine Verkettung von vielen unglücklichen Umständen:

  • Schlechte und eingeschränkte Sicht, dadurch Irritation der Sinne des Hais
    (bspw. aufgewühlter Sand durch hohen Wellengang)
  • Konkurrenz und vermeintliche Beute, rasche Jagd ist erforderlich
    (der Hai sieht seine Beute und gleichzeitig einen konkurrenzierenden Hai)
  • Selbst herbeigeführte Unfälle durch den Menschen
    (bspw. Anfütterung des Haies)
  • Stressbiss
    (Hai wird bedrängt, fehlender Fluchtweg)

Für seine Jagd auf Beute setzt der Hai Energie ein. Die Beute muss diese eingesetzte Energie überkompensieren. Menschen bestehen aber fast nur aus Knochen und aus wenig Fett, daher stehen wir nicht auf dem natürlichen Speiseplan des Hais. Kommt es zu einem Haiunfall mit einer Verwechslung, lässt der Hai in der Regel nach einem Probebiss vom Menschen ab. Leider führt aber ein Probebiss manchmal zu schweren und irreparablen Verletzungen, in seltenen Fällen zum Tod eines Menschens.

Viele bewundernswerte Hai-Schützer haben bereits dokumentiert, dass Haie keine Menschenfresser sind. Haie sind keine Kuscheltiere, aber sie sind auch keine Menschenfresser. Sie sind einfach die wunderschönen Jäger und Raubtiere der Meere, denen wir mit dem notwendigen Respekt begegnen sollten!  

 

 

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